Ich kenne meine eigene Zielgruppe nicht
Das hier ist peinlich. Aber es ist wahr, also schreib ich es auf.
Seit Jahren sage ich anderen Leuten was mit ihrem Angebot nicht stimmt. Positionierung. Zielgruppe. Pricing. Ich bin der Typ den du buchst wenn du nicht weißt warum niemand kauft.
Und ich kann dir nicht in zwei Sätzen sagen was ich selbst verkaufe.
Richtig nicht.
Der Kaffee der alles verändert hat
Dienstag. Gerade einen Call beendet. Business Coach, kommt mit seiner Positionierung nicht klar. Ich stelle die Fragen die ich immer stelle: Wer ist dein Kunde? Was ist sein Problem? Warum du und nicht jemand anderes?
Er stammelt. Wie die meisten.
Ich helfe ihm. Wie immer.
Laptop zu. Aufstehen. Küche. Kaffee.
Und auf dem Weg zur Kaffeemaschine trifft mich ein Gedanke wie ein Schlag in die Magengrube:
Ich kann diese Fragen für mich selbst nicht beantworten.
Ich stehe da. Tasse in der Hand. Und begreife dass ich seit Jahren am falschen Problem arbeite. Dass ich anderen sage was sie tun sollen — während ich selbst im Nebel stehe. Dass jeder einzelne Ratschlag den ich je gegeben habe auf mich selbst zutrifft.
Das ist der Moment in dem der Booster anfängt. Nicht als Produkt. Nicht als Business-Idee. Sondern als Verzweiflung.
80 Seiten
Ich habe mich hingesetzt und angefangen aufzuschreiben. Alles. Was ich weiß. Was ich glaube zu wissen. Was ich nicht weiß. Jede Frage die ich meinen Kunden stelle — jetzt an mich selbst gerichtet.
Daraus wurden 80 Seiten.
Kein Kunde hat danach gefragt. Kein Launch geplant. Nur ich, eine Tastatur und die Erkenntnis dass ich ein Betrüger bin. Ein guter Betrüger — aber ein Betrüger.
5 Tage. Morgens um 6. Nachts um 2. Meine Frau dachte ich bin ausgezogen. Die Kinder haben mich nur beim Abendessen gesehen.
Jede Frage hat zehn neue aufgeworfen. Jede Antwort eine Schicht tiefer. Wie ein Tunnel der kein Ende hat — aber je weiter du reingehst, desto klarer wird die Luft.
Was am Ende des Tunnels war
Klarheit.
Zum ersten Mal seit Jahren wusste ich wofür ich stehe. Was ich verkaufe. Für wen. Und warum.
80 Seiten. 5 Tage. Und plötzlich konnte ich in einem Satz sagen was ich vorher in einer Stunde nicht erklären konnte.
Das Ding hat funktioniert. An mir. An dem Typ der es am wenigsten verdient hat.
Aber 80 Seiten in 5 Tagen — das ist kein Produkt. Das ist ein Presslufthammer für einen Nagel. Und diesen Haken habe ich erst ein Jahr später verstanden.
Vorher musste ich etwas anderes herausfinden: ob es auch bei anderen einschlägt — oder ob ich mir das nur einbilde.